Die Elstertalbrücke in Jocketa ist die "kleine Schwester" der berühmten Göltzschtalbrücke in Netzschkau. Beide Brücken sind meisterhafte Bauwerke und gehören zu den größten Ziegelsteinbrücken der Welt. Konstruiert von Andreas Schubert wurde die Elstertalbrücke (68m hoch und 279m lang) unter Bauleitung des Oberingenieurs Robert Wilke von 1846 bis 1851 erbaut. Im 2. Weltkrieg, am 16.04.1945, wurde die Brücke vollständig zerstört, aber schon im Jahre 1950 wieder originalgetreu hergestellt. Beide Brücken sichern noch heute die Eisenbahnverbindung zwischen Hof und Leipzig.
Mitte des 19.
Jahrhunderts wurde sie als erste Nord-Süd-Verbindung per Schiene im
Deutschen Bund die Sächsisch-Bayrische Eisenbahn von Leipzig nach
Nürnberg erbaut. Der heutige Streckenverlauf stand damals keineswegs
fest. Man erwog u.a., die Linie von Werdau über Greiz, Elsterberg,
Mehltheuer oder über Zwickau, Kirchberg, Auerbach und Oelsnitz zu
leiten.
Elstertalbrücke
Es wurden insgesamt 8 verschiedene Vorschläge in die engere Wahl
genommen, von denen sieben ähnliche hohe Talübergänge wie Göltzsch- und
Elstertalbrücke oder schiefe Ebenen, Tunnel und tiefe Einschnitte
notwendig gemacht hätten. Schließlich entschied sich Oberingenieur
Wilke, der mit der Festsetzung des Linienzuges beauftragt war, für die
Variante von Werdau über Reichenbach und Plauen. Zur Begutachtung der
Pläne wurde der belgische Eisenbahnfachmann Teichmann herangezogen. Er
bereiste im Sommer 1844 das Vogtland und setzte sich daraufhin in einem
ausführlichen Gutachten für die gewählte Strecke ein. Mit der
darauffolgenden Annahme der Streckenführung war auch der Bau von
Göltzsch- und Elstertalbrücke beschlossen.
Zu einem Preisausschreiben
für die beiden Brücken wurden 81 Pläne eingereicht, wovon jedoch kein
einziger voll und ganz brauchbar war. Aus vier von ihnen gelang es den
Planern jedoch, einen ausführbaren Entwurf zusammenzustellen.
Mitte
Mai 1846 begann bei der Elstertalbrücke die Aushebung der Pfeilergründe.
Am linken Talhang kam jedoch ein Stollen eines Schachtes aus dem
Eisenbergbau zutage, so daß die Arbeiten zunächst wieder eingestellt
werden mußten. Nach sorgfältigen Untersuchungen zu Umfang und Führung
des Schachtes konnten die Gründungen Mitte Oktober 1846 wieder
aufgenommen werden
Trotz verschiedener Anfechtungen und Zweifel an
der Ausführbarkeit gelang es den leitenden Ingenieuren, den Bau der
Brücke zügig voranzutreiben. So konnte der Bau der Brücke in der
verhältnismäßig kurzen Zeit von fünf Jahren vollendet werden. Sie wurde
schließlich am 15. Juli 1851 durch den sächsischen König Friedrich
August eingeweiht. Die Göltzschtalbrücke wie auch die Elstertalbrücke
zählten zu dieser Zeit zu den Weltwundern der Technik. Mit der
Sprengung des Mittelpfeilers am 16.4.1945 - kurz vor dem Eintreffen der
amerikanischen Armee - wurde die Brücke zerstört. Die Reisenden mußten
die Züge im Bahnhof Jocketa verlassen und zu Fuß das Elstertal
überqueren, bevor sie bei Röttis den Anschlußzug erreichten. Ab 4.2.1946
sorgte eine stählerne Notbrücke wieder für durchgängigen Verkehr, und
am 30.10. 1950 war die Brücke in ihrer ursprünglichen Form
wiederhergestellt. Heute kann man die Elstertalbrücke, welche auch heute zu den größten
Ziegelbogenbrücken der Welt gehört, auf halber Höhe zu Fuß überqueren.
Zwei Tafeln an den Hauptpfeilern der Brücke künden von ihrer
wechselvollen Geschichte.
Quellen: Historischer Führer, Urania-Verlag Leipzig, 1981
Brabant, A.: Elsterberg und die "Vogtländische Schweiz", Bd. 28, Verlag von C. Heinrich, Dresden-Neustadt, 1932